Street Photography
Das Finden im Alltäglichen
Für mich ist Street Photography kein Suchen nach dem Besonderen, sondern das Finden im Alltäglichen. Aufmerksam zu sein - auf kleine Gesten, flüchtige Blicke, besondere Momente, das Zusammenspiel von Interaktion, Bewegung, Licht und Stimmung. Nähe und Distanz halte ich in Balance, intuitive Wahrnehmung leitet meine Bildkomposition. So entsteht meine persönliche Sicht auf den urbanen Raum - in der Menschen, Orte und flüchtige Augenblicke zu einem erzählerischen Ganzen verschmelzen.
Was ist Street Photography
Street Photography ist ein Genre der Fotografie. Sie beschäftigt sich mit dem urbanen Alltag und zeigt das Leben im öffentlichen Raum. Im Mittelpunkt stehen authentische, gewöhnliche und manchmal skurrile Momente, die in unterschiedlichen Stilrichtungen interpretiert werden. Ihr Wesen ist nicht durch feste Regeln definiert, unterliegt jedoch gesetzlichen Bestimmungen, mit denen Straßenfotografinnen vertraut sein sollte. Street Photography ist in Österreich erlaubt und als Kunstform anerkannt.
Künstlerische Perspektive
Street Photography ist weit mehr als das Fotografieren im öffentlichen Raum. Sie ist das stille Beobachten des urbanen Rhythmus. Zwischen Eile und Ruhe, zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen Aktion und Reaktion liegen die Momente dazwischen: ein Blick, eine Geste, eine Handlung - die keiner Inszenierung folgen und die Bedeutung des scheinbar Unbedeutenden als erlebbaren Ausdruck menschlicher Interaktion sichtbar machen. Die Straße wird zur Bühne. Der öffentliche Raum zum Ort der Begegnung. Der Mensch zur Erzählung. So wird der Alltag zur sozialen Erfahrung, in der das Künstlerische zur Frage der Perspektive wird.
Fotointerpretation(en)
Stilrichtung ist das eine. Interpretation das andere. Fotografie ist immer auch Interpretation. Eine offene Blende löst den Raum auf, trennt Figur und Umgebung, während eine geschlossene Blende den urbanen Kontext sichtbar hält. Schärfe fixiert, Unschärfe lässt Bewegung entstehen. Der Aufnahmemodus beeinflusst den Grad der Kontrolle: kurze Verschlusszeit friert ein, längere Verschlusszeit verzerren und hinterlassen "Spuren". Objektive spielen eine Rolle. Weitwinkel, wie 24 mm oder 35 mm verdichten Nähe - sie ziehen den Betrachter eher ins Bild hinein, während eine 85 mm Brennweite eher isoliert, wodurch Distanz erzeugt werden kann. Bewusste Bewegungsunschärfe, gezielte Verwischer oder beabsichtigte Unschärfe sind kreative Möglichkeiten, als fotokünstlerischer Effekte. Doch Technik ist nicht alles. In der Street Photography zählt weniger das perfekte Foto als mehr die Erzählung der Szene. Klar, Technik ist ein gestalterisches Werkzeug. Um Geschichten nicht nur zu erzählen, sondern auch im Sinne der künstlerischen Freiheit zu interpretieren.
Blick der Fotografin, des Fotografen
Entscheidend für diese Form der Fotografie ist der Blick der Fotografin, des Fotografen. Nicht das Eingreifen, sondern das Wahrnehmen, nicht das Arrangieren, sondern das Beobachten, nicht das Intervenieren, sondern das Einfühlen - das empathische Eintauchen, um als Teil des Moments "den" fotografischen Augenblick einzufangen. Zwischen Nähe und Distanz entsteht ein sensibler Zugang zum öffentlichen Raum, geprägt von Intuition, Respekt und Aufmerksamkeit, der es erlaubt, die Flüchtigkeit des Alltäglichen in Bildern zu übersetzen.
Über mich
Meine Leidenschaft für den Menschen, aber auch für den Sport begleitet mich mein ganzes Leben. Eine Sportverletzung beendete meinen Traum vom Profisport und führte mich in eine Phase tiefer Verunsicherung. Rückblickend war es der Beginn mit der Auseinandersetzung psychologischer Veränderungsprozessen und der Frage, wie mentale Haltung menschliches Handeln beeinflusst. Nach Stationen in der Privatwirtschaft, wechselte ich in die Selbstständigkeit, holte mein Studium nach und arbeitete in unterschiedlichen psychologischen und psychosozialen Beratungskontexten mit Menschen bei Sinnkrisen, bei Berufsveränderungsprozessen nach Rekonvaleszenz, nach Suchterkrankungen oder in der sozialen Wiedereingliederung nach einer anspruchsvoller Lebensvergangenheit. Im Studium lernte ich die Theorie. In der Praxis lernte ich, den Menschen in seinen Potenzialen wahrzunehmen. Es sind diese Geschichten des Menschen, die mich interessieren - wie Schicksale passieren und wie Wege gegangen werden. Diese Aufmerksamkeit fließt direkt in meine Street Photography ein. Mich fasziniert der Mensch in seinem Tun, in seiner Bewegung, in seiner Interaktion - mit sich, mit anderen und: das gemeinsame Miteinander im Sozialraum. Parallel forsche ich an einer wissenschaftlichen Studie, die meine fotografische Arbeit "Sichtbare Lebenslagen: Straßenfotografie als Methode der Sozialraumanalyse" beleuchtet und als soziodynamischen Ansatz thematisiert und diskutiert.
Wie ich arbeite
Dezent, fast touristisch bewege ich mich bei meinen Streetwalks als belangloser Teil der Menge. Möglicherweise hilft mir mein beruflicher Hintergrund in der Wahrnehmung von Menschen. Vielleicht auch in der Vorahnung möglicher menschlicher Verhaltensweisen - was in der Straßenfotografie ein Vorteil sein kann. Denn, für langes Einstellen fehlt in der Street Photography manchmal die Zeit, deshalb habe ich meine Kamera gemäß meinen Mottos bereits voreingestellt. Ich arbeite hauptsächlich mit Festbrennweiten. Ein Telezoom Objektiv verwende ich in der Straßenfotografie nicht. In der gezielten Portraitfotografie kann ein 135 mm Objektiv oder eine noch höhere Brennweite durchaus sexy sein - aber das ist ein anderes Fachthema. In der Straßenfotografie spiele ich gerne mit unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen. Ich mag Linien, Strukturen und Kontraste sowie das Spiel mit Hintergrundschärfe beziehungsweise gezielter Unschärfe. Die Schwarzweiß Fotografie ist mein bevorzugtes Interpretationsmittel. Was auch daran liegt, da ich eine leichte Farbensehschwäche habe. Aber das mit Rot, Gelb und Grün im Verkehr, das verstehe ich schon. Kelvinwerte auch. Kleiner Scherz.
Mittelpunkt meiner Fotografie
Thematisch bewege ich mich in der klassischen, europäischen Street Photography mit sozialdokumentarischen Impulsen. Im Zentrum meiner Fotografie steht der Mensch - seine Interaktion, nicht ein bestimmter Ort oder besonderer Platz, sondern die Begegnungen, Gesten und flüchtigen Momente, die sich überall und jederzeit zeigen. Ich möchte Bilder schaffen, die zum Hinsehen einladen und zum Nachspüren sensibilisieren. Welches Detail ist die stille Erzählung? Wodurch gewinnt das Bild an Ausdruck? Berührung? Intensität? Nachhaltigkeit? Street Photography trägt dazu bei, den Menschen im Alltag sichtbar zu machen – nah an ihrer Wahrheit, dort, wo das Alltägliche sonst ungesehen bleibt. Realistisch, echt und ungeschönt.
Umgang mit Kritik
Meine Erfahrung als Straßenfotograf ist überwiegend positiv. In seltenen Momenten entsteht Unsicherheit oder Ablehnung gegenüber der Kamera. Ich begegne dem mit Offenheit, höre zu und suche das Gespräch. Mir ist wichtig, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und Verständnis für ihre Perspektive zu zeigen. Auch wenn das Fotografieren im öffentlichen Raum rechtlich zulässig ist, steht für mich der respektvolle Umgang im Vordergrund. Auf Wunsch zeige ich die entstandene Aufnahme, erkläre meine Intention und den Kontext. Häufig wandelt sich Skepsis in Interesse, manchmal sogar in den Wunsch, das Foto zu erhalten. Dieses gebe ich gerne weiter und räume auch das Nutzungsrecht ein. Wenn jemand jedoch klar äußert, sich mit der Aufnahme unwohl zu fühlen, lösche ich sie ohne Zögern. Dieser Wunsch hat für mich Vorrang - denn Straßenfotografie lebt nicht nur von Beobachtung, sondern von gegenseitigem Respekt und des gemeinsamen Miteinander.
Ethik und Rechte
Straßenfotografie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Privatsphäre, persönlicher Rechte, Kunstfreiheit und sozialer Verantwortung. In Österreich ist das Fotografieren im öffentlichen Raum grundsätzlich erlaubt, insbesondere dann, wenn der Mensch als Beiwerk, Teil einer Szene ist und nicht als individuelles Hauptmotiv hervorgehoben wird. Der öffentliche Raum, die Situation, das Licht oder die Bewegung stehen im Vordergrund - der Mensch wird Teil des urbanen Geschehens, nicht dessen Objekt - er ist Beiwerk. Dort, wo Personen nicht isoliert, nicht identifizierend und nicht herausstellend dargestellt werden, ist die Aufnahme in der Regel zulässig. Die Grenze verschiebt sich in dem Moment, in dem eine Person eindeutig zum zentralen Motiv wird, ohne dabei als Beiwerk zu wirken. Bei Portraitaufnahmen frage ich grundsätzlich, um die Einwilligung der abgebildeten Person und lasse mir diese Zustimmung auch schriftlich bestätigen. Für mich ist das rechtliche Fundament Orientierung, nicht Freibrief. Recht setzt den Rahmen. Ethik bestimmt die Haltung. Kunst ist das verbindende Glied. Rechte haben ProbandInnen und Fotografinnen gleichermaßen. Der Dialog ist das menschliche Prinzip.
Nutzen der Street Photography
Straßenfotografie schafft Bewusstsein. Sie hält nicht fest, was außergewöhnlich ist, sondern macht sichtbar, was wir im Alltag übersehen, vielleicht nicht sehen wollen. Sie lädt dazu ein, langsamer zu schauen, Zusammenhänge wahrzunehmen und den urbanen Raum als sozialen Spiegel zu begreifen. Zwischen Dokumentation und Interpretation entsteht ein Dialog - über Nähe, Distanz, Verhalten und Zeit. Straßenfotografie stellt Fragen, nicht die richtig oder falsch Antwort. Sie vermittelt, zeigt auf und gibt Impulse.

Street Photography macht sichtbar. Schärft den Blick. Macht sensibel – für den Alltag, in dem wir uns alle bewegen.
Dazu stehe ich.
Ich bin Hannes (Jg. 71), Sozialwissenschaftler,
lebe in Partnerschaft und bin Vater.
"Die Welt scheint sich zu beschleunigen. Zwischen Selbstinszenierung, großen Zielen und der Suche nach Bedeutung geht Nähe manchmal verloren. Bewegen wir uns voneinander weg oder aufeinander zu? Und was wäre, wenn wir einen Moment innehalten und ein Stück näher zusammenrücken?"
Vielleicht, wie Karl Valentin sagte:
"Mögen hätt' i schon woll'n. Aber dürf'n hab' i mi net getraut."
Karl Valentin, bürgerlich Karl Ludwig Fey. Bayrischer Komiker, † 1948.