Practice

Plötzlich war er da,
der Regen.

Schnell ins Trockene. Die gleiche Idee hatten die beiden Studentinnen aus Argentinien. "Hola! Ahora está lloviendo bastante." "Sí. Pero fuerte!" Zwischen Plaudern und Abwarten entstand eine Fotoserie.

Hier Kontrolle. Da Improvisation.

Beides hat seinen Reiz. Im Studio scheint immer die Sonne. Licht und Schatten sitzen dort, wo sie sein sollen. Kreative Perfektion. Wind, Wolken oder eben plötzlich einsetzender Regen lassen andere Bilder entstehen. Kreative Innovation. Beides hat seine Tücken.

Hervorheben. Freistellen. Schärfe und Unschärfe lenken den Blick und können dem Bild eine bestimmte Wirkung geben.

Fotoshooting mit Model Anna. Ich legte den Fokus bewusst nicht auf ihr Auge. Beim Betrachten entsteht eine kleine Irritation. 

Oder eine längere Verschlusszeit. Vorbeilaufende Menschen werden zu geisterhaften Silhouetten und können Bildern etwas Geheimnisvolles verleihen.

Beim Shooting mit Model Altun entstand die Idee für ein Lost Place Portrait. Altuns Wunsch: "Hannes, nur kein Alltagsfoto. Das bin nicht ich." Also entschieden wir uns gemeinsam für eine On-Location Portrait Serie. Bei Regen und humorlosen 7°.

Manchmal entstehen Ideen einfach so.

Dani und ich lernten uns auf der Straße kennen. Irgendwann später verabredeten wir uns zu einem Fotoshooting. 

Sommer. Sonntagmorgen, 05:00. Wunderbares Licht für ein besonderes Shooting. Drei Stunden fotografierten wir am Flussufer die unterschied-lichsten Formen von Handständen.

Auf dem Heimweg kamen wir an dieser Brücke vorbei. Wir schauten uns an und sagten: "Ja, das machen wir!" So entstand dieses Bild. Ungeplant. Spontan. Einfach so. Und es war Danis gefühlter 132. Handstand an diesem Sonntagmorgen.

Da kam mir mein "Dani! Bitte bleiben. Halten. Bleiben. Danke!" schon fast etwas unangenehm vor.

Well done, Dani!

Was verlangt die Szene?

Wie nah gehe ich heran? Wann braucht ein Bild Abstand? Je nach Perspektive verändert sich, was wir sehen und wie wir eine Szene wahrnehmen. Auch die Brennweite bestimmt, wie viel Umgebung im Bild bleibt. Die Fragen bleiben einfach:

Was soll erzählt werden? Welche Auswirkung hat Nähe bzw. Distanz? Worauf soll die Aufmerksamkeit gelenkt werden?

Hier ist der Blick des Models der Hauptdarsteller.
Hier ist der Blick des Models der Hauptdarsteller.
Der Raum ist der Hauptdarsteller. Der Mann die Szene.
Der Raum ist der Hauptdarsteller. Der Mann die Szene.
Hier ist die Erzählung der Hauptdarsteller.
Hier ist die Erzählung der Hauptdarsteller.
Silhouette, Licht und Schatten sind die Hauptdarsteller.
Silhouette, Licht und Schatten sind die Hauptdarsteller.

Welche Herangehensweise?

Minimalistisch, auf das Wesentliche konzentriert? Unaufgeregt. Leise. Zurückhaltend. Oder: Einen aktuellen Trend aufgreifen? Gesättigte Farben? Aufgeregt. Laut. Schrill. Soll etwas hervorgehoben werden? Ein Blick? Eine Geste? Eine Szene?

Welche Herangehensweise wähle ich? Wie interpretiere ich die Szene? Worauf soll die Aufmerksamkeit gelenkt werden?

Manchmal ist Licht der Hauptdarsteller

Die Stadt ist immer noch dieselbe. Und auch die Gebäude stehen immer noch an selber Stelle. Nur das Licht macht daraus andere Geschichten.

Wenn Winter und Licht die Hauptdarsteller sind.

Nichts muss erklärt werden. Die Stimmung ist einfach da. Hinsehen. Wahrnehmen. Kein Mensch, der etwas tut. Nur Schnee, Berge, Wasser und ein besonderes Licht.